Wie individuelle Eigenschaften von Steuerprüfern die Effizienz und Transparenz von Betriebsprüfungen beeinflussen

Betriebsprüfungen sind ein zentraler Baustein einer wirksamen Steuerdurchsetzung. Sie generieren erhebliche zusätzliche Steuereinnahmen, stärken die Einhaltung der Vorschriften und fördern das Vertrauen in das Steuersystem. Gleichzeitig stehen Steuerverwaltungen weltweit vor derselben Herausforderung: Sie haben nur begrenzte Ressourcen. Was macht also eine Betriebsprüfung effizient, und wie können Steuerverwaltungen ihre Prüfer effektiver einsetzen? Eine neue Studie der TRR-266 Forscher Kay Blaufus und Julian Bock sowie ihrer Koautoren Benjamin Peuthert und Alexander N. Schwäbe, veröffentlicht im Journal of the American Taxation Association, liefert Antworten auf diese Fragen. Auf Basis von Befragungsdaten von 610 deutschen Betriebsprüfern, die insgesamt 791 geprüfte Unternehmen abdecken, zeigt die Studie, welche individuellen Eigenschaften von Betriebsprüfern besonders relevant sind und wie eine gezieltere Fallzuweisung die Effizienz von Steuerprüfungen steigern kann. Außerdem wird eine wichtige Auswirkung auf die Steuergerechtigkeit deutlich: Die Ergebnisse einer Steuerprüfung hängen davon ab, welcher Prüfer damit beauftragt wird.

Steuerverwaltungen sind bestrebt, die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen möglichst effektiv einzusetzen. Sie wollen begrenzte Mittel optimal nutzen oder zusätzliche Ressourcen strategisch einsetzen, um Mehreinnahmen zu erzielen und finanzielle Verantwortung zu demonstrieren. Um Ausgaben für die Personalbeschaffung oder Weiterbildung möglichst effizient zu gestalten, benötigen sie Informationen darüber, welche Eigenschaften von Prüfern besonders relevant für die Effizienz sind (fachliches Wissen vs. Soft Skills). Trotz ihrer hohen wirtschaftlichen Bedeutung ist die empirische Evidenz dazu, welche individuellen Eigenschaften von Steuerprüfern die Prüfungseffizienz (gemessen als zusätzliche Steuern pro Tag) am stärksten beeinflussen, bislang begrenzt.

Die Studie unterscheidet zwei Gruppen von Eigenschaften:

Soft Skills: Arbeitsmotivation, Stressresistenz, professionelle Skepsis
Wissen: allgemeine Prüfungserfahrung, unternehmensspezifische Erfahrung, theoretisches Wissen aus Aus- und Weiterbildungen

Soft Skills und Fachwissen sind gleichermaßen wichtig

Man könnte erwarten, dass einzelne Betriebsprüferinnen und -prüfer nur begrenzten Einfluss auf das Prüfungsergebnis haben, da sie gesetzlich verpflichtet sind, die korrekte Steuerlast festzustellen und ihre Vergütung in den meisten Ländern nicht an die Höhe der festgesetzten Mehrsteuern gekoppelt ist. Die Ergebnisse zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild: Sowohl Soft Skills als auch durch Ausbildung und Training erworbenes Fachwissen spielen in der Praxis eine wichtige Rolle. Besonders wichtig sind Motivation, Stressresistenz, professionelle Skepsis und Fachwissen aus Trainings. Bei diesen Eigenschaften zeigt sich jeweils eine um etwa 22–29 % höhere Prüfungseffizienz. Personal- und Weiterbildungsverantwortliche können diese Erkenntnisse direkt nutzen, um effektivere Rekrutierungs-, Trainings- und Leistungsbeurteilungssysteme zu gestalten. So lohnt es sich beispielsweise, sowohl in die Entwicklung von Soft Skills als auch in die fachliche Weiterbildung zu investieren.

Mehr Erfahrung und hohe Motivation sind eine Schlüssel­kombination in komplexen Fällen

Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass praktische Erfahrung (sowohl allgemeine als auch unternehmensspezifische) in Kombination mit hoher Motivation insbesondere bei komplexen Prüfungsfällen entscheidend ist. Verantwortliche für die Fallzuweisung sollten ihre Prüfer daher strategisch einsetzen: Motivierte und erfahrene Prüfer sollten bevorzugt mit komplexen Fällen betraut werden. Weniger komplexe Prüfungen können hingegen auch von weniger erfahrenen oder weniger stark motivierten Prüfern durchgeführt werden, ohne dass es zu erheblichen Effizienzverlusten kommt.

Bedeutung für Transparenzforschung und Regulierer

Aus einer übergeordneten Perspektive wirft die Studie eine wichtige Frage der Steuergerechtigkeit und Transparenz auf: Prüfungsergebnisse werden teilweise dadurch beeinflusst, welcher Prüfer eingesetzt wird. In komplexen Steuersystemen wird Transparenz nicht allein durch die Steuergesetze bestimmt, sondern auch dadurch, ob diese Regeln konsistent und effektiv durchgesetzt werden – eine zentrale Voraussetzung für ein glaubwürdiges und verlässliches Steuersystem.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Effizienz von Betriebsprüfungen systematisch von individuellen Prüfermerkmalen wie Motivation, professioneller Skepsis, Ausbildung und Erfahrung abhängt. Somit spielen Personalpolitik und Zuweisungsentscheidungen eine entscheidende Rolle dafür, wie Steuerregulierung in der Praxis wirkt.

Regulierungsbehörden und Akteure im öffentlichen Sektor profitieren daher von Durchsetzungsstrategien, die diese menschlichen Faktoren explizit berücksichtigen und dadurch sowohl die Effizienz als auch die Fairness verbessern. Gesellschaft und öffentliche Haushalte profitieren indirekt durch kosteneffizientere Durchsetzung, höhere Steuereinnahmen und eine größere finanzielle Handlungsfähigkeit.#

Diesen Blog zitieren:

Blaufus, K., Bock, J. (2026). Wie individuelle Eigenschaften von Steuerprüfern die Effizienz und Transparenz von Betriebsprüfungen beeinflussen. TRR 266 Accounting for Transparency Blog. https://www.accounting-for-transparency.de/de/wie-individuelle-eigenschaften-von-steuerpruefern-die-effizienz-und-transparenz-von-betriebspruefungen-beeinflussen/

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