Die steuerliche Forschungszulage – Hemmnisse und Reformansätze auf dem Weg zur Erfolgsgeschichte
Abstract
Deutschland hat mit Einführung der Forschungszulage ein attraktives steuerliches Förderinstrument für Forschung und Entwicklung geschaffen. Trotzdem bleibt ihre Inanspruchnahme hinter den Erwartungen zurück. Im Rahmen einer explorativen Interviewstudie mit 34 Teilnehmenden untersuchen wir, (1) welche Erfahrungen Unternehmen, Intermediäre und Behörden mit der Forschungszulage gesammelt haben und (2) welche Handlungsempfehlungen sich daraus ableiten lassen. Wir zeigen, dass die Forschungszulage aufgrund der Förderbedingungen, der rückwirkenden Geltendmachung und der thematischen Offenheit als sehr attraktiv eingeschätzt wird. Die Antragsstufe bei der Bescheinigungsstelle Forschungszulage wird zwar positiver als die Antragsstufe beim Finanzamt bewertet, offenbart jedoch ebenfalls Defizite, z.B. im Hinblick auf fehlende Ansprechpartner oder den sich um das Instrument gebildeten Förderberatermarkt. Die Antragsstufe beim Finanzamt leidet unter erheblichen strukturellen Schwächen, insbesondere im Hinblick auf fehlende Transparenz, lange Bearbeitungszeiten, aufwendige bzw. bei rückwirkenden Anträgen kaum erfüllbare Dokumentationspflichten, bei Unternehmen in Schwierigkeiten und mit Blick auf zukünftige Betriebsprüfungen. Einschätzungen zur Einführung eines möglichen Self-Assessment-Verfahrens lassen auf ein großes Bedürfnis nach sicherheitsstiftenden Elementen schließen. Mit der anschließenden Diskussion von Handlungsempfehlungen leistet diese Studie einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des Instruments – insbesondere vor dem Hintergrund der 2025 vorgesehenen Evaluierung des Forschungszulagengesetzes.