Wie wirksam sind außenwirtschaftliche Investitionskontrollen bei der Minderung geopolitischer Risiken?
Zunehmende geopolitische Spannungen, hybride Bedrohungen und die strategische Bedeutung kritischer Infrastrukturen sowie neuer Technologien, haben die mit grenzüberschreitenden M&A-Investitionen verbundenen Risiken verschärft. In den letzten Jahren haben Regierungen daher die Mechanismen zur außenwirtschaftlichen Investitionskontrolle als vergleichsweise moderate Alternative zu strengeren protektionistischen Maßnahmen ausgebaut. Doch sind diese Mechanismen wirksam bei der Minderung geopolitischer Risiken? Und welche (unbeabsichtigten) Folgen haben sie? TRR 266-Forscher Gerrit von Zedlitz untersucht diese Fragen in einer aktuellen Veröffentlichung im „Wirtschaftsdienst“ . Für seinen Beitrag wurde er mit dem Stiftungspreis der Stiftung Wissenschaftsforum Wirtschaftsprüfung und Recht 2025 ausgezeichnet.
Die globalen Kapitalmärkte sind zunehmend mit geopolitischen Überlegungen verflochten. Insbesondere autoritäre Staaten nutzen ausländische Übernahmen und Investitionen zunehmend nicht nur zu wirtschaftlichen Zwecken, sondern auch zur Verfolgung weitreichender geopolitischer und strategischer Ziele. Solche Investitionen können auf kritische Infrastruktur, Schlüsseltechnologien oder andere Vermögenswerte abzielen, die als wesentlich für nationale Interessen angesehen werden. Gleichzeitig stehen westliche Demokratien vor der Herausforderung, nationale Sicherheitsinteressen mit dem Grundprinzip des freien Kapitalverkehrs in Einklang zu bringen, das offenen Volkswirtschaften zugrunde liegt. Als Reaktion darauf, haben viele Regierungen ihre Mechanismen zur außenwirtschaftlichen Investitionskontrolle ausgeweitet, um ihre geopolitischen Interessen zu wahren. Trotz der wachsenden politischen Bedeutung der Investitionskontrollen ist das wissenschaftliche Wissen zu diesem Thema überraschend begrenzt. Durch die Zusammenfassung der vorliegenden Erkenntnisse liefert diese Studie mehrere wichtige Erkenntnisse darüber, wie sich das Investment-Screening auf Marktteilnehmer und Kapitalmärkte auswirkt, und schafft damit eine solidere Grundlage für politische Diskussionen und zukünftige Forschungsarbeiten.
Wie wirken sich außenwirtschaftliche Investitionskontrollen auf das Marktverhalten aus?
Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie ist, dass Investitionskontrollen das Marktverhalten beeinflussen können, selbst wenn Regierungen nicht offiziell eingreifen. Allein die Möglichkeit, dass eine Transaktion geprüft oder blockiert werden könnte, kann manche ausländische Investoren davon abhalten, potenzielle Transaktionen durchzuführen. Folglich können Kontrollmechanismen Investitionsentscheidungen beeinflussen, lange bevor offizielle Maßnahmen ergriffen werden. Diese Erkenntnis unterstreicht den weitreichenden Einfluss regulatorischer Rahmenbedingungen. Ihre Auswirkungen gehen über Einzelfälle hinaus und prägen die Erwartungen auf dem gesamten Markt.
Welche wirtschaftlichen Folgen haben außenwirtschaftliche Investitionskontrollen?
Die Studie wirft zudem wichtige Fragen zu den wirtschaftlichen Folgen von Investitionskontrollen auf. Die derzeitige Evidenz liefert noch keine eindeutige Antwort darauf, wie wirksam diese Maßnahmen echte Sicherheitsrisiken bekämpfen oder ob sie unbeabsichtigt wirtschaftlich vorteilhafte Transaktionen behindern. Darüber hinaus ist die Einführung von Investitionskontrollen oft mit negativen Marktreaktionen verbunden. Diese Reaktionen spiegeln möglicherweise eine erhöhte Unsicherheit der Investoren, Befürchtungen vor protektionistischen Eingriffen und Bedenken wider, dass staatliches Eingreifen die Marktkorrekturmechanismen schwächen könnte. Solche Erkenntnisse legen nahe, dass die wirtschaftlichen Kosten von Kontrollmechanismen neben potenziellen Sicherheitsgewinnen sorgfältig abgewogen werden sollten.
Auswirkung für die Interessengruppen
Angesichts dieser potenziellen Auswirkungen auf Märkte und Investitionsentscheidungen sind die Ergebnisse für verschiedene Interessengruppen von Bedeutung.
- Forschende profitieren von einer systematischen Zusammenfassung der bislang fragmentierten Literatur und einer klareren Erfassung von Forschungslücken.
- Regulierungsbehörden und politische Entscheidungsträger erhalten eine fundiertere Grundlage, um nationale Sicherheitsbelange gegen die wirtschaftlichen Kosten von Beschränkungen ausländischer Investitionen abzuwägen.
- Unternehmen und Investoren können besser nachvollziehen, wie Kontrollmechanismen Marktunsicherheit, Transaktionsrisiken und Entscheidungen zur Kapitalallokation beeinflussen können.
- Die Gesellschaft profitiert von einer fundierteren Diskussion über die Abwägungen, die mit dem Schutz kritischer Infrastrukturen und strategischer Technologien bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung offener und wettbewerbsfähiger Volkswirtschaften verbunden sind.
Zukünftige Forschungsgebiete
Diese Studie legt nahe, dass Investitionskontrollen zunehmend Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungsprozesse nehmen. Dennoch stützen sich politische Entscheidungsträger weiterhin auf begrenzte Erkenntnisse über deren tatsächliche Auswirkungen. Um einen fundierteren Entscheidungsprozess zu gewährleisten, sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich. Die vorliegenden Erkenntnisse weisen auf zwei wichtige Forschungsbereiche hin:
- Fehlende potenzielle Vorteile: Während sich ein Großteil der vorhandenen Literatur auf die Kosten der ausländischen Investitionskontrollen konzentriert, wurde den potenziellen Vorteilen deutlich weniger Aufmerksamkeit gewidmet. Es gibt nur begrenzte empirische Belege dafür, ob Kontrollmechanismen geopolitische Schwachstellen wirksam verringern oder die nationale Sicherheit stärken.
- Evidenz zu Verteilungseffekten: Die Studie stellt zudem einen Mangel an Forschung zu Verteilungseffekten fest. So bleibt beispielsweise unklar, ob die mit Investitionsbeschränkungen verbundenen Kosten letztlich von Investoren, Unternehmen, Arbeitnehmern oder anderen Interessengruppen getragen werden. Diese offenen Fragen weisen auf wichtige Schwerpunkte für die zukünftige Forschung hin.
Die Klärung dieser Fragen wird entscheidend sein, um zu beurteilen, ob die ausländischer Investitionskontrolle einen erfolgreichen Ausgleich zwischen wirtschaftlicher Offenheit und wachsenden geopolitischen und sicherheitspolitischen Bedenken schaffen kann.
Den Artikel zitieren: Von Zedlitz, G. (2026). Wie wirksam sind außenwirtschaftliche Investitionskontrollen bei der Minderung geopolitischer Risiken? TRR 266 Accounting for Transparency Blog. https://www.accounting-for-transparency.de/de/aussenwirtschaftliche-investitionskontrollen-und-geopolitische-risiken/
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