Die „Black Box“ des Corporate Tax Risk Management – was denken Steuerrisikoexperten?

Aufgrund des wachsenden Drucks, der von verschiedenen Seiten auf Unternehmen ausgeübt wird, hat die Aufmerksamkeit für Corporate Tax Risk Management in letzter Zeit stetig zugenommen. Während der Zusammenhang zwischen Steuerplanung und Steuerrisiko gut erforscht ist, ist wenig über das Tax Risk Management und dessen Einfluss auf Steuerzahlungen bekannt. In einer aktuellen Studie entschlüsseln die TRR 266 Forscherin Deborah Schanz und Co-Autorin Alissa Brühne die „Black Box“ des Corporate Tax Risk Management. Die Ergebnisse der Interviews mit 42 Steuerrisikoexpert*innen gewähren wertvolle Einblicke in die Wahrnehmung der Steuerrisiken durch Praktiker*innen und deren Steuerrisikomanagement.

Risikomanagement ist eines der wichtigsten Aufgaben von Unternehmen. Entwicklungen wie beispielsweise regulatorische und technologische Veränderungen führen zu vermehrten Informationsanfragen durch die Steuerbehörden, aggressiveren Durchsetzungsmaßnahmen und einer strengeren öffentlichen Kontrolle. Dadurch wächst die Bedeutung des Unternehmenssteuerrisikos und Unternehmen tendieren vermehrt dazu, Steuerrisikomanagementpraktiken anzuwenden. Wir beleuchten wie Praktiker*innen, die in das Management von unternehmenssteuerlichen Risiken involviert sind, Steuerrisiken wahrnehmen und wie Firmen mit Steuerrisiken umgehen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Steuerrisiken von unternehmensinternen und -externen Personen unterschiedlich definiert werden. Zudem wird veranschaulicht, dass Steuerkommunikation für das Tax Risk Management unerlässlich ist.

Der Unterschied in der Wahrnehmung von Steuerrisiken: Unternehmensinterne vs. unternehmensexterne Betrachtung

Das Steuerrisiko ist ein facettenreiches und stark kontextabhängiges Konstrukt, welches von verschiedenen Interessengruppen tendenziell unterschiedlich definiert wird. Während sich die vorhandene Literatur hauptsächlich auf Finanz- oder Compliance-Risiken konzentriert, rücken unsere Interviewpartner insgesamt sechs Steuerrisikokomponenten in den Fokus: Finanzrisiken, Compliance-Risiken, Reputationsrisiken, Steuerprozessrisiken, politische Risiken und persönliche Haftungsrisiken. Unsere Ergebnisse lassen zudem erkennen, dass die meisten unternehmensinternen Personen ein einseitiges Verständnis von Steuerrisiken haben: Sie definieren Steuerrisiken ausschließlich in Bezug auf ihr Verlustpotenzial. Unternehmensexterne Personen (z. B. Steuerberater, Aufsichtsbehörden oder Vertreter von Finanzbehörden) nehmen Steuerrisiken hingegen als zweiseitiges Konstrukt wahr.

Steuerkommunikation

In Bezug auf die Kommunikation von Steuerrisiken zeigt unsere Studie, dass Kommunikation mehr als nur eine unterstützende Rolle einnimmt, welche allgemeine Risk Management-Frameworks ihr zuschreiben. Kommunikation ist sowohl für die Berichterstattung der Steuerrisiken als auch für das Tax Risk Management unerlässlich. Dabei stellt externe Kommunikation, z. B. ein Informationsaustausch mit den Steuerbehörden, eine wichtige Praxis des Tax Risk Managements dar. Sie hilft bei der Etablierung einer sichereren und vorhersehbareren Umgebung.

Zudem ist Steuerkommunikation adressatenspezifisch und von der Art des ausgeübten Drucks abhängig. Unternehmen können verschiedenen Arten von Druck ausgesetzt sein. In unseren Interviews haben wir die folgenden Arten von Druck identifiziert: öffentlicher Druck, Peergruppendruck und regulatorischer Druck. Da der CFO derjenige Unternehmensakteur ist, der allen drei Arten von Druck direkt ausgesetzt ist, ist ein wichtiges Ziel der Kommunikation von Steuerrisiken der Schutz des CFO.

Auswirkungen

Unsere Ergebnisse geben Entscheidungsträgern wertvolle Einblicke, damit sie das Steuerrisiko von Unternehmen besser verstehen und steuern können. Zudem werden Verbesserungsvorschläge für weiterführende Forschung in diesem Bereich ausgearbeitet. In zukünftigen Studien kann beispielsweise die Variablenwahl optimiert werden. Basierend auf den Erkenntnissen der Interviews sollten zukünftige empirische Studien, welche sich auf die unternehmensinterne Perspektive fokussieren, ein einseitiges Maß für das Steuerrisiko (zum Beispiel UTBs) verwenden. Studien, welche die unternehmensexterne Perspektive betrachten, sollten hingegen eher ein zweiseitiges Maß wie die Steuersatzvolatilität nutzen.

Zitation dieses Blogs:

Brühne, A., Schanz, D. (August 22). Die „Black Box“ des Corporate Tax Risk Management – was denken Steuerrisikoexperten?, TRR 266 Accounting for Transparency Blog. https://www.accounting-for-transparency.de/publication/defining-and-managing-corporate-tax-risk-perceptions-of-tax-risk-experts/

 

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