Umfrage: Administrative Belastung und Steuererleichterungen in der Corona-Krise

Dass die Corona-Krise negative Auswirkungen auf die Mehrzahl der Unternehmen hat, ist leider eine Tatsache. Um die Liquidität der Unternehmen während der Pandemie zu erhöhen, hat die deutsche Regierung mehrere steuerliche Maßnahmen verabschiedet. Doch diese steuerlichen Maßnahmen werden nicht von allen Unternehmen als hilfreich empfunden, wie unsere aktuelle Umfrage zeigt. Auch das Versprechen der Regierung, Anträge auf Soforthilfemaßnahmen unbürokratisch zu bearbeiten, überzeugt viele der Befragten nicht. Schließlich zeigen die Ergebnisse deutlich, dass die Unternehmen unabhängig von Corona mit großen bürokratischen Hürden konfrontiert sind. Daher ist eine unbürokratische Umsetzung der temporären Maßnahmen von entscheidender Bedeutung.

 

Generell können Steuerangelegenheiten – insbesondere kleine und mittelständische – Unternehmen vor große Herausforderungen stellen: Steuervorschriften sind komplex und ändern sich kontinuierlich. In unserem Projekt erforschen wir daher die Steuerbelastung von Unternehmen. Wir untersuchen insbesondere, in welchem Ausmaß Fehleinschätzungen der Steuerbelastung individuelle Entscheidungen und Unternehmensentscheidungen beeinflussen. Als Corona aufkam, war schnell klar, dass wir natürlich auch den Einfluss der Pandemie berücksichtigen müssen. Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die erwarteten Gewinne und Verluste sowie Investitionspläne der Unternehmen aus? Wie werden die vorübergehenden Steuererleichterungen wahrgenommen? Wie schätzen Unternehmen den steuerlichen Verwaltungsaufwand ein? Welche Schlussfolgerungen für unternehmerischen Entscheidungen leiten die Unternehmen aus ihren Einschätzungen ab?

 

Online Umfrage

Wir haben diese regional angelegte Umfrage im Mai verschickt und die Antworten bis Ende Juni gesammelt. 305 Unternehmen haben den Fragebogen vollständig beantwortet, von denen die meisten in NRW ansässig und kleine oder mittelständische Unternehmen sind. Insbesondere Handwerksbetriebe, die in vielen Studien fehlen, sind eine stark vertretende Teilgruppe (38,0%). In diesem Beitrag zeigen wir unsere wichtigsten Ergebnisse. Weitere Informationen finden Sie in unserer Executive Summary. 

 

Kleine und mittelständische Unternehmen sind stark betroffen

Mehr als 55% der befragten Unternehmen sehen sich mit einer verschlechterten Geschäftslage konfrontiert, für weitere knapp 10% der Unternehmen stellen die Corona-Krise und ihre Auswirkungen eine Existenzbedrohung dar. Dies spiegelt sich auch in dem Anteil der Befragten wider, die in 2020 einen Gewinn bzw. Verlust erwarten. Besonders gravierend zeigen sich die Auswirkungen der Krise bei Handwerksbetrieben: Während für 2019 noch 97% der Unternehmen einen Gewinn berichten, schrumpft der Anteil der Unternehmen, die in 2020 einen Gewinn erwarten um mehr als 40%-Punkte. Auch die Gesamtergebnisse zeigen deutlich, dass die Corona-Krise die Mehrheit der Unternehmen vor unvorhersehbare Probleme stellt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit staatlicher Unterstützungsmaßnahmen – und wird durch unsere Umfrage bestätigt: Insgesamt haben bereits 54,8% der an dieser Umfrage partizipierenden Unternehmen staatliche Corona-Subventionen von Bund und Ländern in Anspruch genommen.

Tops und Flops steuerlicher Maßnahmen

Die Regierung hat mehrere steuerliche Maßnahmen verabschiedet, um Unternehmen zu unterstützen, die von der Corona-Pandemie betroffen sind. Zudem werden weitere steuerliche Hilfsmaßnahmen diskutiert. Wir stellen im Folgenden die „Top 3“ und die „Flop 3“ vor (Lesen Sie für einen genauen Überblick über alle Bewertungen unsere Executive Summary). Eine vorübergehende Senkung der Unternehmenssteuerbelastung wird als die nützlichste Maßnahme wahrgenommen. Dagegen wird eine vorübergehende Senkung des Mehrwertsteuersatzes am häufigsten als wenig/nicht nützlich angesehen.

 

Skepsis hinsichtlich einer unbürokratischen Abwicklung

Die deutsche Regierung hat eine unbürokratische Abwicklung von Anträgen auf (Steuer-) Erleichterungen, die bei der Bewältigung der Corona-Krise unterstützen sollen, angekündigt. Die befragten Unternehmen zeigen wenig Vertrauen in diese Ankündigung: Unter den Unternehmen, die keine Förderung in Anspruch genommen haben, vertrauen lediglich 26,5% auf die angekündigte unbürokratische Bearbeitung der Anträge. Unter den Unternehmen, die bereits eine Förderung in Anspruch genommen haben, zeigt sich jedoch, dass knapp 40% auf die unbürokratische Bearbeitung von Anträgen vertrauen.

Vertrauen Sie der angekündigten „unbürokratischen Bearbeitung“ von Anträgen auf steuerliche Erleichterungen im Zusammenhang mit der Corona‐Soforthilfe?

Der Verwaltungsaufwand durch Steuern ist ausnahmslos groß

Bürokratische Hürden zeigen sich unabhängig von Krisenzeiten und nehmen Einfluss auf den unternehmerischen Alltag. Die Mehrheit der befragten Unternehmen kämpft mit der hohen administrativen Belastung verursacht durch steuerliche Prozesse. Der steuerliche Verwaltungsaufwand variiert von Unternehmen zu Unternehmen und wird auf bis zu 80% des gesamten Verwaltungsaufwands geschätzt. Im Durchschnitt macht der steuerliche Verwaltungsaufwand circa ein Drittel des gesamten unternehmerischen Bürokratieaufwands aus.

Wie hoch schätzen Sie den Anteil des Verwaltungsaufwands im Zusammenhang mit steuerlichen Angelegenheiten an dem gesamten bürokratiebedingten Verwaltungsaufwand in Ihrem Unternehmen ein?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass viele kleine und mittelständische Unternehmen stark von der Corona-Pandemie betroffen sind. Die Studie zeigt, dass Steuererleichterungen nach Ansicht der befragten Unternehmen einen Beitrag zur Bekämpfung der Corona-Krise leisten können. Insbesondere Steuererleichterungen, die zu finanziellen Entlastungen führen, werden von den Unternehmen als besonders nützlich angesehen. Da die Besteuerung bereits ohnehin rund ein Drittel des Bürokratieaufwands der Unternehmen ausmacht, sollten Verwaltungskosten bei steuerlichen Reformmaßnahmen – nicht nur in Corona-Zeiten –  eine zentrale Rolle spielen. Eine unbürokratische Bearbeitung der befristeten Corona-Maßnahmen ist daher von entscheidender Bedeutung.

Lesen Sie die Executive Summary.

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