Wie beeinflussen persönliche Einkommensteuern unternehmerische Investitionsentscheidungen?

In einer kürzlich in „International Tax and Public Finance“ veröffentlichten Studie analysierten Davud Rostam-Afschar und drei Kollegen, wie persönliche Einkommensteuern die Höhe des Eigenkapitals beeinflussen, das Unternehmer*innen in ihr eigenes Unternehmen investieren. Ihre Ergebnisse zeigen, dass Unternehmer*innen ihre Portfolios kaum diversifizieren und im Durchschnitt 40% ihres Vermögens in ihrem eigenen Unternehmen anlegen. Werden die Steuern gesenkt, halten weniger Haushalte Betriebsvermögen. Dies liegt daran, dass einige Unternehmen bei niedrigeren Steuersätzen unrentabel werden. Gleichzeitig erhöhen niedrigere Steuern die Investitionen in produktive Unternehmen.

 

Innovation, Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen hängen von der Bereitschaft der Unternehmer*innen ab, risikoreiche Investitionen zu tätigen. Steuern beeinflussen die Entscheidung, in welche Vermögenswerte Unternehmerhaushalte ihr Einkommen investieren und wie viel sie in eine bestimmte Art von Vermögen investieren. Bei den Vermögenswerten kann es sich um selbstgenutztes Wohneigentum, vermietetes Eigentum, Finanzvermögen (z.B. Bargeld, Aktien und Anleihen), Lebensversicherungen, Sachvermögen (z.B. Gold, Schmuck, Münzen oder wertvolle Sammlungen) und Eigenkapital handeln, das Unternehmer*innen in ihr Unternehmen investieren. Wir interessierten uns für die Auswirkungen von Ertragsteuern auf das Investitionsverhalten von Unternehmer*innen. Genauer gesagt untersuchten wir, wie sich Einkommensteuern auf den Anteil des persönlichen Vermögens auswirken, den Unternehmerhaushalte in ihr Unternehmen investieren.

 

Das Vermögen in Deutschland konzentriert sich in den Unternehmerhaushalten

Unsere Forschung stützt sich auf Daten aus Deutschland. Nur 8% der Bevölkerung verfügen über Kapital, das direkt in private Unternehmen investiert ist. Diese Gruppe investiert 40% ihres Vermögens in ihr eigenes Unternehmen. Obwohl Unternehmerhaushalte eine Minderheit darstellen, besitzen sie einen großen Anteil des Gesamtvermögens in Deutschland. Sie sind im Durchschnitt deutlich wohlhabender als andere Haushalte. Ihr durchschnittliches Nettovermögen ist mehr als fünfmal so groß wie das der Nichtunternehmer*innen. Anhand von Befragungsdaten, die u.a. Angaben zum Wert eigener Unternehmen enthalten, haben wir die steuerlichen Auswirkungen auf die verschiedenen Vermögensklassen in unternehmerischen Portfolios geschätzt.

 

Steuereffekte gehen in entgegengesetzte Richtungen

In unserer Forschung konzentrierten wir uns auf die Auswirkungen der Grenzsteuersätze für persönliches Einkommen auf die Portfoliowahl von Unternehmer*innen. Dabei unterschieden wir zwei Arten von Entscheidungen: die extensive und die intensive Entscheidungsschwelle. Die extensive Entscheidung betrifft die Frage, ob sich ein Haushalt entscheidet, eine Vermögensart zu halten oder nicht. Die intensive Entscheidung bezieht sich darauf, wie viel von dieser Vermögensart gehalten wird.

Unsere Schätzungen zeigen, dass Steuereffekte an der extensiven Schwelle ein positives und an der intensiven Schwelle ein negatives Vorzeichen haben. Niedrigere persönliche Einkommensteuersätze verringern also die Wahrscheinlichkeit, ein Unternehmen zu besitzen, erhöhen jedoch den bedingten Anteil des persönlichen Kapitals, den Unternehmer*innen in ihr eigenes Unternehmen investieren. Wir erklären diese Ergebnisse mit Möglichkeiten, Unternehmenseinkommen von der Besteuerung abzuschirmen. Höhere Steuersätze können dazu führen, dass es sich lohnt, in ein Unternehmen zum Zwecke der Steuererleichterung zu investieren, aber gleichzeitig können Investitionssteigerungen in produktive Unternehmen weniger rentabel werden. Im letzteren Fall gibt es keinen ausreichenden Anreiz für Unternehmer*innen, mehr zu investieren, da die erwartete Rendite nach Steuern nicht groß genug ist. Insgesamt hängt also die Frage, ob und wie viel ein Haushalt in sein oder ihr eigenes Unternehmen investiert, auch vom persönlichen Einkommensteuersatz ab.

 

Auswirkungen

Unser theoretisches Modell und unsere empirischen Ergebnisse bieten neue Erkenntnisse für politische Entscheidungsträger*innen. Das Vermögen in Deutschland ist in den Portfolios relativ weniger Unternehmerhaushalte konzentriert. Unternehmer*innen investieren den größten Teil ihres Vermögens in ihr eigenes Unternehmen, anstatt es über verschiedene Anlageklassen zu diversifizieren. Dies kann gewinnbringend sein, wenn der persönliche Einkommensteuersatz die erwarteten Erträge steigert und ausreichend hoch ist. Unsere Analyse belegt, dass niedrigere Steuern die Zahl der Unternehmenseigner*innen verringern. Gleichzeitig erhöhen niedrigere Steuersätze die Investitionen in Unternehmen, die ausreichend produktiv sind. Niedrigere Steuersätze könnten zwar die produktiven von den unproduktiven Unternehmen trennen, würden aber den Spielraum für die Erbringung staatlicher Dienstleistungen und für Umverteilung durch niedrigere Steuereinnahmen einschränken.

 

Lesen Sie die Publikation „The effects of income taxation on entrepreneurial investment: A puzzle?” von Frank M. Fossen, Ray Rees, Davud Rostam-Afschar und Viktor Steiner, erschienen in „International Tax and Public Finance“.

More Information

Wir quantifizieren die Auswirkungen der Grenzsteuersätze für persönliches Einkommen auf die Portfoliowahl von Personen in Deutschland. Wir können Anteile des persönlichen Vermögens analysieren, die in sechs Anlageklassen investiert sind, darunter Investitionen in das eigene Unternehmen. In einer Erweiterung des theoretischen Standardmodells der Portfoliowahl berücksichtigen wir die Möglichkeit, Einkommen aus Unternehmen vor der Besteuerung abzuschirmen. Für unsere empirische Analyse verwenden wir Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP), einer jährlichen Haushaltsbefragung, die detaillierte Informationen zur Zusammensetzung des Privatvermögens in den Jahren 2002, 2007 und 2012 erhob. Dabei wurden auch Angaben zum Marktwert eines eigenen Unternehmens neben anderen wichtigen Vermögensklassen von Privatpersonen in Deutschland mit einbezogen. Wir schätzen simultane Nachfragegleichungen für sechs Vermögensklassen, berücksichtigen unbeobachtete Unterschiede zwischen Personen und identifizierten Steuereffekte durch Änderungen der Steuergesetzgebung im Zeitverlauf. Eine der bedeutendsten Reformen der Zulassungspflicht für Betriebe hilft uns, die Entscheidung, unternehmerisch tätig zu sein, zu modellieren. Sie betraf bis zu einer Millionen Unternehmen – etwas weniger als 1/3 aller Unternehmen in Deutschland.

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