Mercator Fellows

5 Fragen an Mercator Fellow Harm Schütt

Harm Schütt, Assistant Professor of Accountancy an der Tilburg University School of Economics and Management, war im Herbst 2020 als Mercator Fellow zu Gast an der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar. Dort unterstützte er die Forschung des TRR 266 im Projekt “Investment Effects of Taxation” und wirkte an der Studie „Technological Change and Countries’ Tax Policy Design“ mit, die die Basisarbeit für das Teilprojekt B01 darstellt. Er war außerdem im Austausch mit den Forschern des Teilprojektes A07 „Ambiguity, Learning, and the Diffusion of Reporting Practices“. Wir haben ihn nach seinen (Mercator-)Erfahrungen und seiner Begeisterung für Accounting und Forschung gefragt.

 

Faszination für Accounting

Meine Begeisterung für das Fach Accounting hat Professor Pellens während meines Studiums an der Ruhr-Universität Bochum geweckt. Seine Vorlesungen haben gezeigt, wie interessant Accounting sein kann, sodass ich mich schließlich darauf spezialisiert habe. Am meisten hat mich dabei die Nutzerseite interessiert, also „Wie nutze ich Finanzinformationen am besten, um die ökonomische Situation von Unternehmen einzuschätzen?“. Deshalb habe ich mich beruflich erst in diese Richtung orientiert und ein Jahr als Aktienanalyst bei Sal. Oppenheim gearbeitet. Je besser ich allerdings begriff, wie das Analystengeschäft funktioniert, umso mehr wollte ich verstehen, wie Erwartungsbildung an Märkten eigentlich wirklich funktioniert. Besonders welche Rolle Finanzinformationen dabei spielen. Diese Neugier hat mich schlussendlich in die Forschung gebracht. Ich habe mich in den USA für Accounting Ph.D.-Programme beworben, die einen Fokus auf Finanzanalyse legten und hatte dann das Glück in Berkeley angenommen zu werden. Dort habe ich dann gelernt, wie groß, komplex und vielschichtig die Frage „Wie nutzen Investoren Finanzinformationen, um Erwartungen zu bilden?“ wirklich ist und dass es eine riesige Literatur zu diesem Thema gibt, die täglich wächst. Seitdem versuche ich, mit dieser Literatur Schritt zu halten und etwas beizutragen. Das ist nichts, womit man jemals wirklich „fertig“ wird. Es kommen immer neue Fragen auf, altes Wissen wird hinterfragt und revidiert, etc. Und das sorgt dafür, dass meine Arbeit immer noch genauso faszinierend ist wie am ersten Tag.

Das Mercator Fellowship im TRR 266

Bei den meisten Studien bringt jeder Beteiligte eine unterschiedliche Expertise mit. In unserer Studie “Technological Change and Countries’ Tax Policy Design” beispielsweise sind Alissa Brühne und Martin Jacob die Tax Policy Experten, während ich mich mit dem Messen von technologischem Wandel beschäftigt habe. Das Fellowship hat uns die Chance gegeben, eine längere Zeit ungestört und effizient an der WHU zusammenzuarbeiten, wovon die Studie sehr profitiert hat. Es macht einfach einen extremen Unterschied, wenn man zusammen in die Daten gehen und sofort auf die Expertise der jeweils anderen zugreifen kann. Ohne dass man erst einen neuen Zoom-Termin ausmachen muss oder Punkte per E-Mail diskutiert. Unsere Zusammenarbeit hat wirklich gut funktioniert und wir konnten die Milestones erreichen, die wir uns vorgenommen hatten.

Technologischer Wandel und Steuerpolitik

Wir untersuchen, ob technologischer Wandel dazu führt, dass die bisherige Steuerpolitik eines Landes an die neuen ökonomischen Gegebenheiten angepasst wird. Eine Erkenntnis aus unseren bisherigen Analysen ist, dass technologischer Wandel nicht zum „race-to-the-bottom“ der Steuersätze beiträgt. Stattdessen geht technologischer Wandel meistens mit einer Verschärfung der Regulierung gegen Steuerumgehung einher. Diese Reaktion ist nicht homogen für alle Länder, sondern variiert nach Landesgröße und dem Grad, wie sehr ein Land dem Steuerwettbewerb ausgesetzt ist. Neue Erkenntnisse dazu werden wir bald in einer überarbeiteten Version unseres Working Papers veröffentlichen.

Relevanz des Projekts

In diesem Fall ist es der Zusammenhang zwischen technologischem Wandel und Steuerpolitik. Für Regulierer ist dieser Zusammenhang relevant, um zu erfahren, was technologischer Wandel sowohl für ihre eigene als auch die Steuerpolitik anderer Länder bedeuten kann und wie sie darauf reagieren können. Für Manager ist das Thema relevant, denn viele Investitionsentscheidungen beruhen auch auf Annahmen über das zukünftige Steuerumfeld. Und für uns als Forscher ist es relevant sich zu vergegenwärtigen, dass Steuerpolitik nicht immer exogen ist für das, was wir untersuchen möchten.

Meine beste Mercator Erfahrung

Ich finde, das Mercator Fellowship lohnt sich eigentlich immer. Es ermöglicht, weit voneinander entfernte Teammitglieder mit verschiedenen komplementären Expertisen zusammenzubringen. Man gewinnt sehr dadurch, dass man zusammen an einem Ort ist und unmittelbar die Expertise aller Beteiligten kombinieren kann. Die Arbeit ist effizient, Ideen werden besser generiert, und es macht auch mehr Spaß.

Meine beste Erfahrung ist genau das: die großartige Zusammenarbeit unseres Teams, vor Ort an der WHU—das hat einfach viel Spaß gemacht.

 

Das Mercator Fellowship im TRR 266

Das Mercator Fellowship ist ein Modul im Rahmen der Förderprogramme der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Es handelt sich dabei um ein Stipendium für hochkarätige Wissenschaftler*innen aus dem In- und Ausland, die für eine längere Zeit an einer oder mehreren der am TRR 266 beteiligten Institutionen zu Fragenstellungen rund um Accounting for Transparency forschen. Der TRR 266 möchte hierdurch die Zusammenarbeit mit hochkarätigen Forscher*innen im Verbund stärken. Durch das Fellowship soll eine nachhaltige Forschungsbeziehung zwischen den Fellows und den Forschenden im TRR 266 etabliert und gestärkt werden.

 

Prof. Dr. Harm Schütt
Tilburg University
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Beteiligte Institutionen

Die Hauptstandorte vom TRR 266 sind die Universität Paderborn (Sprecherhochschule), die HU Berlin und die Universität Mannheim. Alle drei Standorte sind seit vielen Jahren Zentren für Rechnungswesen- und Steuerforschung. Hinzu kommen Wissenschaftler der LMU München, der Frankfurt School of Finance and Management, der WHU – Otto Beisheim School of Management, der European School of Management and Technology in Berlin und der Goethe-Universität Frankfurt, die die gleiche Forschungsagenda verfolgen.