Aktion & Reaktion: Unternehmensreaktionen auf Shortseller-Berichte

Short-Aktivismus ist ein wachsendes Phänomen und aktuelle Fälle wie die von Wirecard und GameStop haben aktivistische Shortseller ins Rampenlicht gerückt. Diese Shortseller werden oft kritisch beäugt, da ihre Berichte negative Auswirkungen auf die betroffenen Unternehmen haben können. Allerdings ist die Veröffentlichung von Berichten riskant und kann eine Klage des Unternehmens zur Folge haben. Daher haben Shortseller generell einen Anreiz, korrekte Informationen zu liefern. Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass einige von ihnen irreführende oder fehlerhafte Berichte erstellen. Trotz des wachsenden Einflusses von aktivistischen Shortsellern ist wenig darüber bekannt, wie Unternehmen auf diese Berichte reagieren. TRR 266-Forscherin Janja Brendel untersuchte zusammen mit James Ryans Reaktionen von betroffenen Unternehmen und die Auswirkungen auf ihre Unternehmensergebnisse.

 

Der Begriff Activist Shortseller bezeichnet Hedgefonds oder Einzelpersonen, die von Spekulationen auf den Rückgang des Aktienkurses eines Unternehmens profitieren wollen. Was bedeutet das genau? Aktivistische Shortseller leihen sich Aktien, verkaufen diese und kaufen dann Aktien zu einem niedrigeren Preis zurück, um sie an den Verleiher zurückzugeben. Der Preisunterschied zwischen Verkauf und Kauf kann zu Gewinnen führen, wenn der Preis für den Rückkauf von Aktien niedriger ist als der Preis für den Verkauf von Aktien. Aber das funktioniert natürlich nur, wenn die Aktienkurse sinken. Hier kommt der Begriff Aktivist ins Spiel: Aktivistische Shortseller recherchieren über Unternehmen mit möglichen Betrugsfällen oder finanziellen Falschangaben. Durch die Veröffentlichung von ihren Berichten versuchen sie, andere Investoren davon zu überzeugen, dass dieses Unternehmen überbewertet ist, was die Aktienkurse nach unten treibt.

 

Es liegt auf der Hand, dass aktivistische Shortseller durch die Veröffentlichung dieser Berichte einen großen Einfluss auf die betroffenen Unternehmen haben können. Aber nicht alle veröffentlichten Berichte sind zwangsläufig vollkommen korrekt. Im Prinzip können Unternehmen den Anschuldigungen entgegenwirken und damit einen weiteren Rückgang des Aktienwertes zu verhindern. Wie reagieren die betroffenen Unternehmen? Und welche Konsequenzen haben ihre Reaktionen?

Unternehmen reagieren auf 31% der Shortseller-Berichte

Die betroffenen Unternehmen reagieren sehr unterschiedlich auf die Berichte. Insgesamt zeigen unsere Daten, dass nur 31% der Unternehmen auf eine oder mehrere Arten auf die Berichte reagieren, und zwar in Form von Dementieren der Behauptungen, Androhung oder Einleitung einer Klage gegen den Shortseller, Bereitstellung zusätzlicher Informationen und Einleitung einer internen Untersuchung. Die häufigste Art der Reaktion, auf 28 % der Berichte, ist ein öffentliches Dementi der Behauptungen, das durch eine Pressemitteilung oder eine Telefonkonferenz veröffentlicht wird. 12 % der Reaktionen bestehen darin, dass die Unternehmen den Investoren zusätzliche Informationen zur Verfügung stellen, 6 % reichen eine Klage gegen den Shortseller ein oder drohen mit einer Klage und 4 % leiten interne Untersuchungen ein, die von externen Anwälten durchgeführt werden. Diese Ergebnisse zeigen auch, dass die Unternehmen zwar auf 31 % der Berichte aktivistischer Shortseller reagieren, die Mehrheit jedoch überhaupt nicht reagiert.

Art der Reaktion

Ein Rückgang des Aktienkurses – der wichtigste Entscheidungsfaktor für eine Reaktion?

Unternehmen sind nicht dazu verpflichtet auf Shortseller-Berichte zu reagieren. Wann entscheiden Unternehmen sich dazu, auf den Bericht zu antworten? Unsere Forschung beweist, dass ein starker Rückgang des Aktienkurses, eine negative abnormale Rendite, dabei eine große Rolle spielt. Wenn sich der Aktienkurs wenig bis gar nicht verändert, gibt es für Unternehmen keinen Anreiz zu reagieren, da sie keinen Wertverlust haben. Einen starken Kursfall versuchen Unternehmen allerdings mit verschiedenen Arten von Reaktionen, wie z. B. einem öffentlichen Statement, umzukehren.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der die Entscheidung der Unternehmen, zu reagieren, beeinflusst, ist, inwieweit der Bericht glaubwürdige Informationen enthält, die zuvor noch nicht veröffentlicht wurden. Wenn der Bericht nur Meinungen enthält und keine neuen faktischen Beweise liefert, ist es unwahrscheinlicher, dass Unternehmen auf den Bericht der Aktivisten reagieren.

Sind Reaktionen der Unternehmen mit negativen Ergebnissen verbunden?

Die Reaktionen der Unternehmen variieren stark, je nach Inhalt und Glaubwürdigkeit der Berichte. Ihre Reaktionen können jedoch zu negativen Ergebnissen führen - wie z. B. zu einem Delisting, SEC Auditing and Accounting Enforcement Releases (AAERs), Restatements von Jahresabschlüssen, einem Wechsel des Wirtschaftsprüfers oder die Absicht, übernommen zu werden. Wir beobachten einen Zusammenhang zwischen der Art der Reaktion und dem Unternehmensergebnis. Unsere Daten zeigen, dass Unternehmen, die als Reaktion auf den Shortseller-Bericht interne Untersuchungen einleiten, deutlich häufiger von der Börsennotierung gestrichen werden, eine AAER erhalten und weniger wahrscheinlich übernommen werden als Unternehmen, die auf andere Weise reagieren. Darüber hinaus steht das Einreichen einer Beschwerde in direktem Zusammenhang mit dem Delisting vom Aktienmarkt. Unsere Ergebnisse zeigen außerdem, dass das Nicht-Reagieren zu weniger nachteiligen Ergebnissen und einer weniger negativen Aktienkursreaktion führt. Dies scheint darauf hinzudeuten, dass Unternehmen, die sich bedeckt halten und nicht reagieren, eine bessere Chance haben, nahezu unbeschadet aus der Krise herauszukommen.

 

Auswirkungen

Die Studie zielt darauf ab, einen weiteren Beitrag zu unserem Verständnis von aktivistischen Shortsellern und ihrer Bedeutung für die Kapitalmärkte zu leisten, indem sie untersucht, wie Unternehmen auf ihre Berichte reagieren. Sie beleuchtet diese besondere Gruppe von Shortsellern und ihr Potenzial, als eine Art Monitor an den Kapitalmärkten zu fungieren und Marktteilnehmer mit Informationen über Unternehmen zu versorgen.

 

Lesen Sie die Publikation "Responding to activist short sellers: Allegations, firm responses, and outcomes" von Janja Brendel und James Ryans veröffentlicht in "Journal of Accounting Research".

 

Zitation dieses Blogs: Brendel, J. & Ryans, J. (2021, Mai 27). Action & Reaction: Firms’ responses to short sellers’ reports, TRR 266 Accounting for Transparency Blog. https://www.accounting-for-transparency.de/action-reaction-firms-responses-to-short-sellers-reports/.

 

 

 

More Information

Wir präsentieren deskriptive Daten zu den Reaktionen der Zielunternehmung auf aktivistische Shortseller-Berichte. Unsere Stichprobe umfasst 351 aktivistische Shortseller-Berichte, die zwischen 1996 und 2018 über US-amerikanische Unternehmen veröffentlicht wurden. Wir stellen fest, dass die Anzahl der Shortseller-Berichte in den letzten Jahren erheblich gestiegen ist, von durchschnittlich 2,5 Berichten pro Jahr im Zeitraum von 1996 bis 2009 auf 35 Berichte pro Jahr von 2010 bis 2018.

Antworten

Ihre E-Mail-Adresse ist erforderlich, um einen Kommentar hinterlassen zu können. Diese Adresse wird selbstverständlich NICHT veröffentlicht, nur Ihr Name ist für andere sichtbar. Bitte beachten Sie, dass der Kommentarbereich moderiert wird – dies ist notwendig, um Spam und Netzmissbrauch zu verhindern.