GBP-Monitor: Unternehmen verzeichnen erstmals in der Pandemie steigende Gewinne – auch durch Preiserhöhungen

Der November-Bericht des German Business Panels (GBP) belegt, dass der langanhaltende Rückgang der Unternehmensgewinne während der Pandemie zunächst beendet scheint. Bei den Erwartungen hinsichtlich der neuen Regierung benennen die Befragten die Themen Arbeits- und Fachkräftemangel sowie Digitalisierung als besonders dringlich – noch vor Steuersenkungen.

Die betriebswirtschaftliche Situation der Unternehmen hat sich seit dem Frühjahr 2021 und insbesondere gegenüber dem Tiefstand im Februar deutlich verbessert. Das belegen die neuesten Erhebungen des German Business Panels an der Universität Mannheim. Die Auswertungen zeigen, dass die Gewinne im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,7 Prozent gestiegen sind – und damit erstmals seit Beginn der Pandemie wieder steigen. „Die Zahlen unterstreichen, wie gut die Unternehmen die derzeit außergewöhnlich hohen Energiepreise sowie die anhaltenden Lieferengpässe auffangen konnten“, konstatiert Prof. Dr. Jannis Bischof, Inhaber des Lehrstuhls für ABWL und Unternehmensrechnung an der Universität Mannheim und wissenschaftlicher Projektleiter des GBP.

Teilweise lässt sich die schnelle Erholung durch die Erhöhung der eigenen Preise erklären: Der Anteil an Unternehmen, die von ihren Kunden und Lieferanten höhere Preise verlangten, überstieg im Oktober den Anteil an preissenkenden Unternehmen um 35,1 Prozentpunkte (gegenüber 21,9 Prozentpunkten im September). Aber auch gezielte Kostensenkungen, insbesondere im Bereich Forschung und Entwicklung, halfen den Firmen, die Krise mit wieder steigenden Gewinnen zu überstehen. „Die Unternehmen versuchen durch das Austarieren verschiedener Maßnahmen, Preiserhöhungen zu vermeiden, doch gerade im Einzelhandel lassen sich Preiserhöhungen, die die Verbraucher direkt treffen, nicht vermeiden“, berichtet Dr. Davud Rostam-Afschar, der akademische Leiter des GBP.

Thema der aktuellen Umfrage waren auch die wirtschaftspolitischen Forderungen der Unternehmen an die sich konstituierende Regierung. So wurde unter anderem die Frage gestellt, welche Anliegen als besonders dringlich empfunden werden und was die Firmen von der neuen Regierung erwarten. Zwei Themen rückten dabei besonders stark in den Vordergrund: zum einen die Digitalisierung (höchste Priorität bei 26 Prozent der Befragten) und zum anderen der Arbeits- und Fachkräftemangel (höchste Priorität bei 27,4 Prozent der Befragten). Im Zuge der Pandemie ist das Thema Fachkräftemangel zwar in den Hintergrund geraten. „Die Antworten der Firmenlenker machen aber deutlich, dass sie von der neuen Regierung eine wohlüberlegte Strategie erwarten, wie qualifizierte Arbeitskräfte ausgebildet und angeworben werden können“, fasst Bischof zusammen. „Nachhaltige Antworten auf diese Herausforderungen, aber auch auf Digitalisierung und Klimaschutz, ist den Unternehmen noch wichtiger als kurzfristige Steuersenkungen.“

Der GBP-Monitor für November 2021 ist hier zu finden.

Weitere Informationen zum GBP-Monitor
Das German Business Panel befragt monatlich mehr als 800 Unternehmen zur Unternehmenslage in Deutschland und erhebt dabei Daten zu 1) erwarteten Umsatz-, Gewinn- und Investitionsänderungen, 2) unternehmerischen Entscheidungen, 3) der erwarteten Ausfallwahrscheinlichkeit in der Branche und 4) der Zufriedenheit mit der Wirtschafspolitik. Zudem wird jeden Monat zu besonders aktuellen Fragen berichtet, wie in diesem Monat zu wirtschaftspolitischen Präferenzen der Unternehmen.

Hintergrundinformationen zum German Business Panel
Das German Business Panel ist ein langfristiges Befragungspanel des DFG-geförderten überregionalen Projektes „Accounting for Transparency“ (www.accounting-for-transparency.de).

Der Sonderforschungsbereich (SFB) „TRR 266 Accounting for Transparency“ startete im Juli 2019 und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für zunächst vier Jahre gefördert. Er ist der erste SFB mit betriebswirtschaftlichem Schwerpunkt. Am SFB sind rund 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von acht Universitäten beteiligt: Universität Paderborn (Sprecherhochschule), Humboldt-Universität zu Berlin und Universität Mannheim, zudem Forscherinnen und Forscher von der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie der ESMT Berlin, Frankfurt School of Finance & Management, Goethe-Universität Frankfurt am Main, WHU – Otto Beisheim School of Management, und Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Die Forscherinnen und Forscher untersuchen, wie Rechnungswesen und Besteuerung die Transparenz von Unternehmen beeinflussen und wie sich Regulierungen und Unternehmenstransparenz auf Wirtschaft und Gesellschaft auswirken. Das Fördervolumen des SFBs beträgt rund 12 Millionen Euro.

Beteiligte Institutionen

Die Hauptstandorte vom TRR 266 sind die Universität Paderborn (Sprecherhochschule), die HU Berlin und die Universität Mannheim. Alle drei Standorte sind seit vielen Jahren Zentren für Rechnungswesen- und Steuerforschung. Hinzu kommen Wissenschaftler der LMU München, der Frankfurt School of Finance and Management, der WHU – Otto Beisheim School of Management, der ESMT Berlin und der Goethe-Universität Frankfurt, die die gleiche Forschungsagenda verfolgen.