Juli 2020: Prof. Dr. Holger Daske

Holger Daske, Professor für Accounting und Capital Markets an der Universität Mannheim, ist Teilprojektleiter im Projekt A08 „Standardization of Accounting Language in Financial Disclosures“. In seinem Projekt untersucht er, wie sich einheitliche internationale Rechnungslegungsstandards auf die Verwendung von Fachtermini auswirken und welchen Einfluss das auf die Transparenz von Finanzberichterstattung im globalen Kontext hat.

 

Accounting: „to keep capitalism honest”

Offen und ehrlich – das ist ein persönliches Grundprinzip, das mir im Umgang mit anderen sehr wichtig ist, beruflich wie privat. Im privaten Kontext mag das nicht in jedem Fall gut ankommen. Aber gerade in der wissenschaftlichen Diskussion ist dieses Prinzip die Maßgabe. Und das ist unglaublich wichtig: Weg von persönlichen Befindlichkeiten hin zu den Inhalten. Mit der Rechnungslegung habe ich eine Disziplin gewählt, die gerade für dieses Prinzip steht. Denn Aufgabe des Accounting ist es „to keep capitalism honest” – so hat es Hans Hoogervorst, Vorsitzender des IASB (The International Accounting Standards Board) einmal formuliert. Um diese Ehrlichkeit bei Unternehmenstätigkeit in einer sozialen Marktwirtschaft zu gewährleisten, braucht es eine solche Transparenz ganz dringend. Und genau hier setzen wir mit dem TRR 266 an.

Mit unseren Erkenntnissen möchten wir zu einer Präzisierung der Language of Business beitragen, damit die internationalen Accounting-Standards für Nutzer besser verständlich werden.

Language of Business: standardisieren und präzisieren

In meinem TRR 266-Projekt A08 beschäftige ich mich derzeit mit Accounting als Language of Business. Ebenso wie natürliche Sprachen hat auch die Language of Business eine Grammatik: die Accounting-Standards. Und sie hat auch eine Lexik: die Fachtermini, die verwendet werden – zum Beispiel in Geschäftsberichten. Das Problem: Für bestimmte Konstrukte gibt es unterschiedliche Termini, genau wie bei gelebter Sprache. Allerdings kann das bei Fachtermini dazu führen, dass die Begriffe von unterschiedlichen Nutzern, beispielsweise von Analysten oder Investoren, nicht verstanden oder falsch interpretiert werden.

In unserem Projekt untersuchen wir daher weltweit, wie groß diese Streuung tatsächlich ist. Und inwiefern die Einführung der IFRS (International Financial Reporting Standards) zu einer Vereinheitlichung des Sprachbildes beigetragen hat. Immerhin kann man die IFRS als „Esperanto des Accounting“ ansehen. Wir prüfen also, ob sie dem Titel gerecht werden. Dazu durchsuchen wir rund 700.000 Geschäftsberichte nach Tausenden von Fachtermini. Das ist bislang einmalig. Derzeit existieren lediglich qualitative Studien weitgehend auf der Ebene von Einzelbegriffen. Mit unseren Erkenntnissen möchten wir zu einer Präzisierung der Language of Business beitragen, damit die internationalen Accounting-Standards für Nutzer besser verständlich werden. Unsere Datensätze möchten wir später so aufbereiten, dass sie auch anderen Forscher*innen und den Standardsetzern als Tool zur Verfügung stehen.

Wissenschaftlichen Fortschritt erreicht man
nur im Kollektiv.

Methodisch sauber und institutionell tiefgründig

Forschung muss für mich methodisch sauber und institutionell tiefgründig sein. Insgesamt stelle ich einen hohen Anspruch an mich selbst, was die „Qualität“ meiner Studien betrifft. Im Mai beispielsweise ist ein Aufsatz, den ich zusammen mit Jannis Bischof und Christoph Sextroh geschrieben habe, im Journal of Accounting Research erschienen. Darin gehen wir der Frage nach, aus welchen Gründen Politiker*innen aktiv in etwas so Fachspezifisches wie die Regulierung der Rechnungslegung eingreifen. Viele Studien, die ich veröffentlicht habe, sind „dicke Bretter“, an denen wir oft viele Jahre lang gearbeitet haben. Da feilt man dann auch schon mal mehrere Stunden an einer Fußnote, die verschiedene Tests der vergangenen Wochen zusammenfasst. Aber der Einsatz lohnt sich. Vor allem, wenn man auf diese Weise einen wirklich wichtigen Beitrag für die Community leisten kann oder für die Praxis. Beispielsweise mit einer neuen Herangehensweise, die auch andere für ihre Forschung nutzen können. Denn feststeht, wissenschaftlichen Fortschritt erreicht man nur im Kollektiv.

 

TRR 266: eine wichtige Chance für Nachwuchsforscher

Daher sehe ich auch den TRR 266 als große Chance – gerade für unsere Nachwuchsforscher. Sie haben im TRR 266 die Möglichkeit, sehr eng mit deutschen Top-Forschern zusammenzuarbeiten, sich zu präsentieren und wertvollen Input für ihre Forschung zu erhalten. Ich selbst weiß aus persönlicher Erfahrung, wie hilfreich ein solches Forschungsnetzwerk sein kann, denn ich habe damals in dem paneuropäischen Marie Skłodowska-Curie Forschungsnetzwerk „Harmonia“, das von der Europäischen Kommission gefördert wurde, promoviert. Das war für mich ein wahrer Karriere-Booster. Über das Netzwerk konnte ich schon früh Kontakte zu vielen namhaften Forschern knüpfen und an ersten Veröffentlichungen im internationalen Kontext mitwirken. Im Anschluss an meine Promotion ging es dann für den nächsten Schritt direkt an die Wharton School – eine der weltweit führenden Business Schools in unserem Fach.

Auch mir persönlich bringt der internationale Austausch sehr viel – vor allem neue Perspektiven.

Neue Perspektiven, neue Impulse

Dass die Doktoranden durch die Zusammenarbeit mit den erfahrenen TRR 266-Forschern auch auf ein breites internationales Netzwerk zurückgreifen können, halte ich ebenfalls für sehr wichtig. An der Universität Mannheim habe ich das Doktorandenprogramm maßgeblich mitaufgebaut. Dabei haben wir bereits von Anfang an einen großen Fokus auf die internationale Platzierung der Doktoranden gelegt und Forschungsaufenthalte im Ausland forciert. Carol Seregni, eine Doktorandin, die auch in meinem TRR 266-Projekt mitarbeitet, verbringt derzeit einen Forschungsaufenthalt an der Chicago Booth. Dort sammelt sie wichtige Erfahrungen, die natürlich auch dem laufenden Projekt zugutekommen. Auch mir persönlich bringt der internationale Austausch sehr viel – vor allem neue Perspektiven. So habe ich beispielsweise als „Keynote Speaker“ bei der African Accounting and Finance Association in Nairobi oder beim Doctoral Colloquium der Korean Accounting Association in Seoul neue Perspektiven auf mein Fach gewonnen und auch wichtige Impulse für mein Forschungsprojekt im TRR 266 erhalten.

Forscher*in des Monats Juni

Beteiligte Institutionen

Die Hauptstandorte vom TRR 266 sind die Universität Paderborn (Sprecherhochschule), die HU Berlin und die Universität Mannheim. Alle drei Standorte sind seit vielen Jahren Zentren für Rechnungswesen- und Steuerforschung. Hinzu kommen Wissenschaftler der LMU München, der Frankfurt School of Finance and Management, der WHU – Otto Beisheim School of Management, der European School of Management and Technology in Berlin und der Goethe-Universität Frankfurt, die die gleiche Forschungsagenda verfolgen.