Dezember 2019: Prof. Dr. Benedikt Franke

Benedikt Franke, Juniorprofessor für Rechnungswesen an der SKEMA Business School, ist an zwei Projekten des TRR 266 beteiligt. In Projekt A03 untersucht er zusammen mit Reeyarn Li, ob und wann Unternehmen den Forderungen ihrer Stakeholder nach einer transparenten textbasierten Offenlegung nachkommen. Im Projekt B09 erforschen er und Urska Kosi die Forderung von Kreditgebern nach Finanzinformationen.

 

 

Faszination für Rechnungswesen

Zum einen befasst sich Accounting mit grundlegenden Fragen über die Generierung und Verbreitung von Informationen. Zum anderen ist es durch verschiedene institutionelle Merkmale gekennzeichnet, die einen Rahmen für die Entscheidungsfindung von Stakeholdern bieten, der sich stetig weiterentwickelt. Diese Mischung ist besonders und eröffnet viele faszinierende Möglichkeiten für Forscher*innen – darunter auch die interdisziplinäre Arbeit in den Bereichen Finanzen, Politikwissenschaft oder Informationssysteme. Ich schätze diese Möglichkeiten sehr.

 

Transparenz

Transparenz ist heutzutage ein besonders spannendes Feld. Im Kern konzentriert sich unsere Forschung im TRR darauf, wie verschiedene Stakeholder Informationen generieren, verbreiten und empfangen. Somit ist unsere Arbeit nicht nur für die Buchhaltungs- oder Steuergemeinschaften relevant, sondern spricht auch ein breiteres Publikum an. Wir alle sind in unserem Alltag mit Kommunikationsmitteln konfrontiert, die sich stetig weiterentwickeln, – und mit wachsenden Herausforderungen durch die Digitalisierung. Unsere Forschung kann nicht nur dabei helfen, durch dieses noch relativ unerschlossene Gebiet zu navigieren, sondern ebenfalls potenzielle Chancen aufzudecken. Die Transparenz-Forschung schließt die Lücke zwischen vielen unterschiedlichen Forschungsbereichen, die sich mit Informationen in unterschiedlichen Kontexten beschäftigen. Aus meiner Sicht können und sollten Rechnungsprüfer zu diesem Prozess beitragen, indem sie grundlegende Erkenntnisse zum Thema liefern.

Die Transparenz-Forschung schließt die Lücke zwischen vielen unterschiedlichen Forschungsbereichen, die sich mit Informationen in unterschiedlichen Kontexten beschäftigen. Aus meiner Sicht können und sollten Rechnungsprüfer zu diesem Prozess beitragen, indem sie grundlegende Erkenntnisse zum Thema liefern.

Beitrag zum TRR

Der TRR 266 bietet viele Möglichkeiten, insbesondere für junge Forscher*innen, mit anderen Forschenden zusammenzuarbeiten, Ideen zu teilen und die eigene Forschung voranzutreiben. Ich bin von der großen Zahl der Forschenden beeindruckt, die sich dieser gemeinsamen Sachen angeschlossen haben, und schätze vor allem die Mischung aus jungen und erfahrenen Forscher*innen. Ich freue mich an Projekten beteiligt zu sein, die sich mit der Transparenz auf dem Kreditmarkt und der Texttransparenz (textual transparency) befassen. In Projekt B09 arbeiten wir derzeit daran, ein besseres Verständnis von Transparenz in den verschiedenen europäischen Kreditmärkten zu erlangen. Ein spannendes Projekt, bei dem ich das Glück habe, von den wertvollen Erkenntnissen meiner Teammitglieder zu profitieren. Das Projekt A03 ist anders gelagert. Hier konzentrieren wir uns darauf, neue Datensätze und Methoden aufzudecken und sie Forschenden, die an Transparenz im Accounting interessiert sind, zur Verfügung zu stellen. Derzeit beschäftigen wir uns mit der Entwicklung von Techniken, die uns ermöglichen, die textuelle Offenlegung aus unterschiedlichen Quellen zu untersuchen, darunter auch Geschäftsdokumente. Der TRR ist für diese Art von Forschung essenziell, da uns der stetige Austausch mit unterschiedlichen Forscherinnen und Forschern dabei hilft, unseren Ansatz schnell zu verbessern und weiterzuentwickeln.

 

Keine Relevanz ohne (akademische) Strenge

Für mich ist es wichtig, neugierig zu sein. Ich möchte verstehen, wie Dinge funktionieren und wieso bestimmte Ereignisse passieren. Obwohl dies sicherlich die Forschungsfrage in den Mittelpunkt meiner Arbeit stellt, gibt es keine Relevanz ohne akademische Strenge. Der TRR ist das perfekte Beispiel dafür, wie diese beiden Dinge zusammengebracht werden können. Zum Beispiel bieten wir Schulungen für unsere Doktorand*innen an, die es ihnen ermöglichen, auf internationaler Ebene qualitativ hochwertige Forschung zu betreiben. Selbstverständlich ist auch Open Science ein Teil davon. Um mit unserer Forschung eine Wirkung erzielen zu können, ist es für unsere Gemeinschaft – und ebenso für Forschung im Allgemeinen – entscheidend, dass wir transparent sind. Um diesen Anspruch zu verwirklichen, müssen wir ein Bewusstsein für Open Science schaffen und als Gemeinschaft geeignete Wege finden, um Transparenz in der Forschung herzustellen. Das ist keinesfalls eine triviale Aufgabe. Der TRR kann in dieser Hinsicht eine entscheidende Rolle einnehmen und die deutsche Forschungslandschaft prägen.

Ich möchte verstehen, wie Dinge funktionieren und wieso bestimmte Ereignisse passieren. Obwohl dies sicherlich die Forschungsfrage in den Mittelpunkt meiner Arbeit stellt, gibt es keine Relevanz ohne akademische Strenge.

Einfluss der Forschung

Meine beiden Projekte enthalten Elemente, die zur empirischen Forschung auf den Schuldenmärkten beitragen und andere TRR-Projekte im Bereich des Aktienmarktes ergänzen. Die Schuldenmärkte sind für unsere Volkswirtschaften von entscheidender Bedeutung, wobei große Teile derzeit von institutionellen Anlegern dominiert werden. Dies wird sich jedoch wahrscheinlich ändern, da technische Innovationen Möglichkeiten für Privatanleger bieten, sich zu beteiligen. Daher ist es für Politiker, Regulierungsbehörden und letztlich auch für die Öffentlichkeit von entscheidender Bedeutung zu verstehen, wie diese Märkte funktionieren. Insbesondere müssen wir verstehen, wie transparent diese Märkte derzeit sind, wie transparent diese Märkte sein sollten und welche Informationen Investoren für ihre Entscheidungsfindung benötigen.

 

 

Die im Beitrag geäußerten Ansichten geben die Meinung des Forschenden wieder und entsprechen nicht grundsätzlich der Meinung des TRR 266. Als Wissenschaftsverbund ist der TRR 266 sowohl der Meinungsfreiheit als auch der politischen Neutralität verpflichtet.  

Forscher des Monats April

Beteiligte Institutionen

Die Hauptstandorte vom TRR 266 sind die Universität Paderborn (Sprecherhochschule), die HU Berlin und die Universität Mannheim. Alle drei Standorte sind seit vielen Jahren Zentren für Rechnungswesen- und Steuerforschung. Hinzu kommen Wissenschaftler der LMU München, der Frankfurt School of Finance and Management, der WHU – Otto Beisheim School of Management, der ESMT Berlin und der Goethe-Universität Frankfurt, die die gleiche Forschungsagenda verfolgen.