Mai 2020: Prof. Dr. Katharina Hombach

Katharina Hombach, Juniorprofessorin für Accounting an der Frankfurt School of Finance & Management, ist eine der TeilprojektleiterInnen des Projekts A07 “Ambiguity, Learning, and the Diffusion of Reporting Practices”. Zusammen mit Thorsten Sellhorn untersucht sie, wie Entscheider mit Unsicherheit über optimale Berichterstattung umgehen. Außerdem gehört sie zum Organisationteam für die Emerging Scholars in Accounting Conference.

 

Accounting: Wichtige Erkenntnisse liefern

Für mich stand bereits früh fest, dass ich eine wissenschaftliche Karriere einschlagen möchte. Denn anders als im Unternehmensbereich, in dem ab einer bestimmten Karrierestufe Managementaufgaben überwiegen, kann ich als Forscherin bis zur Rente inhaltlich arbeiten. Und das ist mir sehr wichtig. Ich finde es hochinteressant, wie Informationen das wirtschaftliche Handeln beeinflussen. Die dahinterstehenden Wirkungsmechanismen sind in der Regel nicht offensichtlich. Sie zu identifizieren und aufzudecken, liefert wichtige Erkenntnisse. Indem wir die Wirkungsmechanismen von Transparenzregulierungen offenlegen, können wir insbesondere Regulierern wichtig Anhaltspunkte für sinnvolle Regulierungen liefern, die Kosten und Nutzen ausbalancieren.

Indem wir die Wirkungsmechanismen von Transparenzregulierungen offenlegen, können wir insbesondere Regulierern wichtig Anhaltspunkte für sinnvolle Regulierungen liefern, die Kosten und Nutzen ausbalancieren.

Optimale Berichtspolitik: Wie gehen Manager mit Unsicherheit um?

Im Teilprojekt A07 untersuche ich zusammen mit Thorsten Sellhorn, wie Unternehmen Transparenzentscheidungen treffen. Dazu gehört beispielsweise die Entscheidung, welchen Stakeholdern sie welche Informationen in welcher Form zur Verfügung stellen. Unser Projekt ist durch eine gewisse Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis motiviert. In gängigen Modellen wird häufig die Annahme getroffen, dass Manager berichterstattender Unternehmen ihre Berichterstattung nutzenmaximierend ausgestalten. Hierbei wird häufig davon ausgegangen, dass Manager mit allen notwendigen Informationen ausgestattet sind, um ihre Zielfunktion zu maximieren; hierzu gehören beispielsweise die Informationspräferenzen ihrer Stakeholder.

In der Praxis sind Manager jedoch substanziellen Unsicherheiten bei der Ausarbeitung ihrer optimalen Berichterstattung ausgesetzt. So ist zum Beispiel selten sicher, wie Stakeholder auf die Berichterstattung reagieren werden. Manager müssen also zunächst Erwartungen über Kosten und Nutzen der unterschiedlichen, ihnen zur Verfügung stehenden Alternativen bilden. In unserem Projekt untersuchen wir die Herausforderungen, die hierbei entstehen, und welche Lernstrategien Manager anwenden, um sie zu bewältigen.

 

Relevant und valide

Derzeit wissen wir noch relativ wenig über diesen „Lernprozess“, die Literatur dazu steckt noch in den Kinderschuhen. Daher benötigen wir Evidenz aus dem Feld. Zurzeit bereiten wir eine Befragung von Unternehmensvertretern vor, die im Unternehmen Transparenz-Entscheidungen treffen. Unsere ersten Gespräche mit Unternehmensvertretern deuten darauf hin, dass unsere Forschung auch in der Praxis auf großes Interesse stößt. Das ist mir persönlich wichtig: Ich möchte Forschung betreiben, die auch für die Praxis relevant ist und im Idealfall Erkenntnisse hervorbringt, die einen gesellschaftlichen Mehrwert haben. Thematische Relevanz muss natürlich immer auch Hand in Hand mit Validität gehen. Bei meiner Forschung lege ich daher großen Wert auf die Zuverlässigkeit und Zielgenauigkeit der Forschungsmethoden und Messverfahren – wie vermutlich die meisten Wissenschaftler. Daher ist es mir auch wichtig, beim Praxisbezug die richtige Balance zu finden. Insbesondere darf sich unabhängige Forschung nicht an Einzelinteressen orientieren, sondern muss auch Fragen nachgehen, die von gesamtgesellschaftlicher Relevanz sind.

Ich möchte Forschung betreiben, die auch für die Praxis relevant ist und im Idealfall Erkenntnisse hervorbringt, die einen gesellschaftlichen Mehrwert haben.

Austausch fördern: Emerging Scholars in Accounting Conference

Bei meiner Forschung profitiere ich von den vielfältigen fachlichen Hintergründen und Kenntnissen der anderen TRR 266-Forscher. In unserem Netzwerk arbeiten wir über Projektgrenzen hinweg sehr eng zusammen und pflegen einen intensiven Austausch. Diesen Austausch möchten wir bereits in einem frühen Stadium fördern. Daher bieten wir im TRR 266 unterschiedliche Veranstaltungsformate für Nachwuchswissenschaftler an. Zusammen mit Laurence van Lent organisiere ich an der Frankfurt School die Emerging Scholars in Accounting Conference, die seit 2019 zusammen mit dem TRR 266 ausgerichtet wird. Auf der Konferenz haben Nachwuchswissenschaftler die Möglichkeit, ihre Arbeit einem breiten Publikum – aus bereits etablierten Forschern und anderen Nachwuchswissenschaftlern – vorzustellen und intensiv zu diskutieren. Dadurch erhalten sie wertvolles Feedback für ihre Forschung. Trotz Corona steht schon jetzt fest: Die Konferenz wird auch dieses Jahr wieder stattfinden. Wann und in welcher Form, wird derzeit noch diskutiert. Auf unserer TRR 266 Website halten wir Sie auf dem Laufenden

 

 

Die im Beitrag geäußerten Ansichten geben die Meinung des Forschenden wieder und entsprechen nicht grundsätzlich der Meinung des TRR 266. Als Wissenschaftsverbund ist der TRR 266 sowohl der Meinungsfreiheit als auch der politischen Neutralität verpflichtet.  

Forscher des Monats April

Beteiligte Institutionen

Die Hauptstandorte vom TRR 266 sind die Universität Paderborn (Sprecherhochschule), die HU Berlin und die Universität Mannheim. Alle drei Standorte sind seit vielen Jahren Zentren für Rechnungswesen- und Steuerforschung. Hinzu kommen Wissenschaftler der LMU München, der Frankfurt School of Finance and Management, der WHU – Otto Beisheim School of Management, der ESMT Berlin und der Goethe-Universität Frankfurt, die die gleiche Forschungsagenda verfolgen.